„Mein Sohn Max hat diese Herausforderungen sehr gut angenommen. Er arbeitet viel daran, die Kanzlei organisatorisch auf dem neuesten Stand zu halten und die Abläufe zu optimieren.“
Stillstand war nie sein Geschäftsmodell. Klaus D. Meier gründete 1984 eine Kanzlei, als Digitalisierung noch nach Telefonleitung klang. Seitdem hat er Technik, Mandanten und Märkte wachsen sehen. Im Interview spricht er über Mut, Wandel, klare Worte, Vertrauen und darüber, warum gute Steuerberatung heute viel mehr ist als Steuerrecht.
INTERVIEWER
Henrik Schwiedeßen
INTERVIEWTER
Klaus D. Meier
Herr Meier, Sie haben die Kanzlei 1984 gegründet. Was war damals Ihre größte Herausforderung? Die größte Herausforderung war definitiv die Organisation und Einrichtung der Kanzlei. Damals war die EDV noch nicht so weit entwickelt, wie es heute der Fall ist. Es gab Olivetti-Geräte, die ich beschaffen konnte, aber das war alles andere als einfach. Die Gründung wurde eigentlich durch einen glücklichen Zufall angestoßen: Ein Mandant,
der für den Steuerberater Helpburg arbeitete, informierte mich darüber, dass eine Zahnarztpraxis ihre Räumlichkeiten in der Hauptstraße aufgab und in einen Neubau zog. Da kam mir die Idee, dass diese Räumlichkeiten perfekt für meine Kanzlei geeignet wären.
Zu der Zeit war ich noch in Weil angestellt. Kurzentschlossen habe ich dann entschieden, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Der Mut dazu kam sicherlich auch durch meine Erfahrungen bei der Sparkasse, wo ich bis zu meinem 30. Lebensjahr unter anderem in der Betriebsorganisation tätig war. Ich wusste daher, wie man einen Betrieb aufbaut und was dafür nötig ist. Auch das Personalwesen war mir vertraut, da ich bei der Sparkasse bereits damit betraut war. Es fiel mir deshalb leicht, meine erste Mitarbeiterin zu finden.
Mein Ziel war von Anfang an klar: Es sollte keinen Anruf und kein Klingeln an der Tür geben, ohne dass jemand da ist. Wir wollten von der ersten Minute an für unsere Mandanten da sein.
Sie haben die Digitalisierung von Anfang an miterlebt – erinnern Sie sich noch an den ersten Computer in der Kanzlei? Der erste „Computer“ hier, wenn man ihn überhaupt so nennen kann, war 1984 im Einsatz. Es handelte sich eher um ein Erfassungsgerät als um einen vollwertigen Computer. Das Gerät hatte eine eingebaute Platte, ähnlich wie eine Schallplatte, die man einschieben konnte. Man tippte darauf die Daten ein und konnte diese damals bereits per Telefonleitung an DATEV übertragen. Aber es war keineswegs ein richtiger Computer im heutigen Sinne. Man konnte damit keine Abfragen durchführen, sondern lediglich Daten eingeben und übertragen. Wann der erste richtige Computer kam, kann ich nicht genau sagen. Es war sicherlich erst einige Zeit später.
Was denken Sie, hätte Ihr früheres Ich von den heutigen digitalen Arbeitsweisen gehalten? Ich war schon immer sehr fortschrittlich und daran interessiert, das Neueste und Beste zu nutzen. Diese Einstellung hatte ich bereits, als ich noch bei der Sparkasse gearbeitet habe. Dort waren wir immer gut vorbereitet und ich habe unter anderem das Rechenzentrum sowie die EDV-Abteilung geleitet. Dadurch war ich immer auf dem neuesten Stand der Technik.
Ich hatte auch die Gelegenheit, verschiedene große Rechenzentren zu besuchen, um mir einen Eindruck von den aktuellen Entwicklungen zu verschaffen. Das Thema Digitalisierung war mir also schon damals sehr bewusst. Seit der Gründung meiner Kanzlei habe ich stets darauf geachtet, mit der Technik Schritt zu halten und immer auf die neuesten Systeme umzusteigen. Ich bin nie stehen geblieben.
Sie betreuen noch immer Stammkunden – wie hat sich deren Betreuung im Laufe der Jahre verändert? Ja, die Veränderungen sind deutlich spürbar. Zum einen, weil viele meiner Mandanten in der Zwischenzeit gewachsen sind und ihre Unternehmen größer geworden sind. Zum anderen haben sich die Anforderungen aufgrund gesetzlicher Regelungen und externer Einflüsse stark verändert. Dadurch hat sich auch die Art der Beratung
weiterentwickelt. Was jedoch geblieben ist, ist das vertrauensvolle Verhältnis zu meinen Mandanten.
Mit der Erfahrung und dem höheren Alter bin ich offener geworden und spreche Themen direkter an. Früher war ich da etwas vorsichtiger, aber heute, im Rentenalter, fühle ich mich quasi frei, Dinge auszusprechen, ohne dass es übel genommen wird. Das hilft mir, meine Mandanten auch in neuen, oft komplexeren Herausforderungen zu unterstützen.
Viele meiner Kunden haben sich über die Jahre stark weiterentwickelt und ich habe sie dabei begleitet. Ich habe immer versucht, ihnen Mut zu machen, den Weg des Wachstums zu gehen und zu investieren. Diejenigen, die bereit waren, sich weiterzuentwickeln, haben heute erfolgreiche Unternehmen. Die, die sich nicht an den Wandel angepasst haben, gibt es oft nicht mehr. Ich sehe mich dabei immer als letzte Instanz, die den Mandanten hilft, eine
Entscheidung zu treffen – sei es für oder gegen ein kalkulierbares Risiko. Ich spreche hier nicht von unkalkulierbaren Risiken, sondern von solchen, die man einschätzen und managen kann.
Was heute noch wichtiger geworden ist, sind persönliche Themen. Gerade weil ich selbst älter bin, kommen viele Mandanten mit Fragen zu Ehe, Kindern, Schenkungen und Vermögensübertragungen zu mir. Diese Themen haben in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen, weil sie viele Menschen bewegen. Ich ermutige meine Mandanten, rechtzeitig Lösungen zu finden und sich nicht einfach auf den Zufall zu verlassen, wenn es um die Weitergabe ihres Vermögens geht. Insofern spielt der Familienrat und die persönliche Beratung heute eine größere Rolle als früher.
Welche Qualitäten sind für einen Steuerberater heute noch genauso wichtig wie in den 80ern? Die Anforderungen an Steuerberater haben sich grundlegend verändert. Früher diente der Steuerberater hauptsächlich dazu, die Arbeit zwischen Steuerpflichtigen und Finanzamt zu erleichtern. Die Finanzverwaltung wollte vermeiden, dass die Steuerpflichtigen direkt aufs Finanzamt zugehen und hat deshalb die Institution des Steuerberaters geschaffen. Ähnlich wie bei den Rechtsanwälten, die als Vermittler zwischen Bürgern und Gericht dienen sollten. Als ich damals Steuerberater wurde, dachte ich, dass es vor allem auf das Fachwissen im Steuerrecht ankommt. Allerdings hat mir meine umfangreiche Erfahrung aus der Arbeit bei der Sparkasse sehr geholfen, besonders in den Bereichen Organisation und Unternehmensführung.
Heute ist jedoch viel mehr gefragt als nur Steuerrecht zu beherrschen. Ein Steuerberater muss auch Managementkenntnisse haben, Organisationsgeschick mitbringen und sich mit Personalführung auskennen. Ohne diese Fähigkeiten ist es kaum möglich, eine Kanzlei erfolgreich zu leiten. Es reicht nicht aus, einfach nur die Arbeit der Mitarbeiter zu kontrollieren – man muss auch in der Lage sein, Aufgaben sinnvoll zu delegieren und ein effektives Zeitmanagement zu betreiben. Diese Fähigkeiten sind heute unverzichtbar und das wird mittlerweile auch in der Vorbereitung zur Steuerberaterprüfung berücksichtigt.
Die Herausforderungen haben sich drastisch verändert. Früher haben wir alles handschriftlich oder mit der Schreibmaschine erledigt, aber das wäre heute undenkbar. Die Digitalisierung hat den Berufsalltag komplett verändert und ein moderner Steuerberater muss sich auch mit EDV-Systemen gut auskennen. Hinzu kommt die Notwendigkeit, qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen und sie richtig zu führen.
Mein Sohn Max hat diese Herausforderungen sehr gut angenommen. Er arbeitet viel daran, die Kanzlei organisatorisch auf dem neuesten Stand zu halten und die Abläufe zu optimieren. Dazu gehört, dass die Arbeitsweise der Mitarbeiter vereinheitlicht wird und die Prozesse digital abgebildet sind. Diese Anforderungen sind heute völlig anders als zu meiner Zeit, als alles noch viel manueller und weniger strukturiert ablief.
Max bringt viele neue Ideen ein – wie ist es für Sie, in dieser Konstellation zu arbeiten? Müssen Sie ihn manchmal auch Bremsen? Nein, überhaupt nicht. Im Gegenteil, ich bin immer offen für Veränderungen. Ich achte lediglich darauf, dass die Neuerungen auch bei den Mandanten gut ankommen. Durch meine Erfahrung kann ich einschätzen, ob wir vielleicht zu viel auf einmal einführen oder ob bestimmte Dinge besser dosiert werden sollten. Zum Beispiel muss man nicht immer gleich einen zwei Seiten langen Brief schreiben, wenn auch eine Seite für die wesentlichen Informationen ausreicht – viele Menschen lesen heutzutage einfach nicht mehr so viel.
Ich bin absolut dafür, dass wir digital und zeitgemäß arbeiten. Schon früher habe ich gesagt, wir sollten zum Beispiel SMS oder Nachrichten aufs Firmenhandy schicken, weil das schneller gelesen wird als ein Brief per Post. Die schnelle Bearbeitung hat bei uns Priorität. Ich bremse Max also keineswegs, sondern unterstütze ihn dabei, sich weiterzuentwickeln.
Ich ermutige ihn, auch Seminare außerhalb des Steuerberatungsbereichs zu besuchen, etwa bei der ZFU in Zürich. Dort kann er wichtige Fähigkeiten lernen, die über das Fachwissen hinausgehen, wie den Umgang mit Stress oder Menschenkenntnis – was enorm wichtig ist, wenn man mit verschiedenen Persönlichkeiten zu tun hat. Diese Erfahrungen helfen ihm, die unterschiedlichen Bedürfnisse und Verhaltensweisen von Menschen besser einzuschätzen. In Bezug auf unsere Mitarbeiter haben wir unterschiedliche Herangehensweisen. Ich bin es gewohnt, dass Arbeit und Gehalt in einem klaren Verhältnis stehen – wer seinen Lohn bekommt, sollte auch entsprechend arbeiten. Max hingegen gehört einer anderen Generation an und ist bereit, den Mitarbeitern mehr Freiheiten und
Spielräume zu geben, was ich begrüße.
Er hat zudem eigene Projekte außerhalb der Kanzlei erfolgreich umgesetzt. Er arbeitet dort neben seiner Tätigkeit in der Kanzlei, was für ihn eine wichtige Ergänzung darstellt. Ich finde es großartig, dass er sich diese Möglichkeiten geschaffen hat und dabei erfolgreich ist. Es zeigt, dass er flexibel und unternehmerisch denkt.
Gibt es Dinge, bei denen Sie eher die „klassische“ Herangehensweise bevorzugen? Ja, definitiv. Unsere Mandanten sind sehr unterschiedlich – einige kommen mit 25 Jahren zu uns, andere mit 70. Viele von ihnen suchen händeringend nach Hilfe und sind froh, jemanden gefunden zu haben, der sie unterstützt. In solchen Fällen ziehe ich es vor, mich mit ihnen an den Tisch zu setzen und ein persönliches Gespräch zu führen, statt alles über EDV abzuwickeln. Wir notieren dann einige wichtige Punkte und besprechen die weiteren Schritte gemeinsam. Diese direkte und persönliche Herangehensweise führt oft zu einer großen Zufriedenheit bei den Mandanten.
Ich achte auch darauf, dass meine Mitarbeiter den individuellen Bedürfnissen unserer Mandanten gerecht werden. Es ist nicht selbstverständlich, dass ein 75-Jähriger problemlos per E-Mail kommunizieren kann. Da ist es wichtig, konventionelle Methoden zu nutzen und Vertrauen aufzubauen. Ich versichere den Mandanten, dass
wir sie unterstützen und ihnen Schritt für Schritt helfen. Wir nehmen ihnen Aufgaben ab, klären, was sie mitbringen sollen und geben ihnen Hilfestellungen. Diese persönliche Betreuung schätzen unsere Mandanten sehr und zeigen oft große Dankbarkeit.
Manchmal kommen Fragen auf, wie lange ich selbst noch da sein werde, um sie zu unterstützen. Ich versichere ihnen dann, dass die Kanzlei weitergeführt wird, auch wenn ich selbst irgendwann nicht mehr da bin und dass sie in guten Händen sind. Der Aufbau einer Vertrauensbasis ist für mich in diesen Fällen essenziell.
Anders ist es bei den jüngeren Mandanten. Sie legen weniger Wert auf persönlichen Kontakt. Sie wollen einfach, dass die Arbeit erledigt wird, ohne viel darüber sprechen zu müssen. Für sie geht es oft nur darum, einen Auftrag zu erteilen und dann das fertige Ergebnis zu erhalten.
Was sind für Sie die größten Meilensteine in der Geschichte der Kanzlei? Ein wichtiger Meilenstein waren die Kanzleiräumlichkeiten. Ich begann in den Räumen einer ehemaligen Zahnarztpraxis, die wir umgebaut hatten und anmieteten. Später sind wir dann in eine Villa an der Hauptstraße umgezogen, die meine damalige Lebensgefährtin entdeckt hatte. Sie meinte, die Villa stünde zur Vermietung und so haben wir uns entschieden, dort einzuziehen.
Der entscheidende Wendepunkt kam dann im Jahr 2003, also etwa 19 Jahre nach der Gründung. Mir wurde klar, dass es an der Zeit war, etwas Eigenes zu bauen, anstatt immer wieder in größere Praxisräume umzuziehen – zuerst mit vier Zimmern, dann mit sechs und schließlich mit zehn. Ich wollte eine dauerhafte Lösung schaffen und habe daher beschlossen, ein eigenes Kanzleigebäude zu bauen. Das war ein großer Meilenstein für uns.
Besonders wichtig war mir, dass die neuen Räumlichkeiten schön und einladend sind – offene, helle Räume mit einer großzügigen Gestaltung. Es sollte ein Ort sein, an dem sich auch die Mitarbeiter wohlfühlen. Dazu gehören ausreichend Parkplätze, eine Möglichkeit für Mahlzeiten und sogar ein Garten. Das eigene Kanzleigebäude war wirklich ein bedeutender Schritt in unserer Entwicklung.
Ein weiterer Meilenstein steht jetzt an: das nächste Kanzleigebäude. Auch hier wollen wir wieder einen Schritt nach vorne machen und uns weiter verbessern.
Sie haben den Sprung von analog zu digital gemeistert – was war die größte Umstellung? Ehrlich gesagt, war das für mich keine große Umstellung. Der Wechsel zum E-Mail-Verkehr kam und ich habe von Anfang an mitgemacht. Ich habe darauf geachtet, dass auch die Mitarbeiter, insbesondere die Sekretärinnen, sich daran gewöhnen. Die Notwendigkeit für klassisches Sekretariat hat abgenommen, da man viele Dinge selbst formulieren und verschicken kann.
Ich finde es großartig, weil ich nicht gerne telefoniere. Schriftliche Kommunikation hat den Vorteil, dass ich immer ein Dokument habe, auf das ich zurückgreifen kann. Ich weiß genau, was gesagt wurde und es ist alles festgehalten. Früher haben wir viel mehr telefoniert, was oft störend war. Jetzt läuft fast alles per E-Mail und ich kann die Anfragen in Ruhe abarbeiten, ohne ständig unterbrochen zu werden. Das hat den Arbeitsalltag für mich deutlich erleichtert.
Was war das spannendste Mandat, das Sie je betreut haben? Das spannendste Mandat war definitiv die Firma Würzburger. Der Inhaber, Wolfgang Würzburger und ich verstehen uns gut, aber wir fordern uns auch immer wieder gegenseitig heraus – es ist ein ständiger Wettbewerb, wer besser ist. Ich bemühe mich stets, unsere Leistungen auf einem hohen Niveau zu halten und ihn damit zu überraschen. Deshalb war dieses Mandat für mich das interessanteste und aufbauendste.
Es gibt zwar andere große Mandate, aber zu diesem besteht eine persönliche Verbindung. Ich erinnere mich an eine Veranstaltung, bei der Herr Würzburger vor meinen Mitarbeitern und Mandanten gesagt hat: „Ich weiß nicht, wie lange ich mir die Kanzlei noch leisten kann.“ Doch er fügte hinzu: „Aber ich muss auch überlegen, ob ich es mir leisten kann, auf die Kanzlei zu verzichten.“ Das war ein sehr weiser Kommentar, der zeigte, wie sehr er unsere Arbeit schätzt. Er weiß, dass er bei uns eine ausgezeichnete Leistung bekommt und er ist sich der Unterschiede zu anderen Beratern bewusst.
Das liegt auch daran, dass er im Aufsichtsrat der Sparkasse im Markgräflerland tätig ist. Dort hat er Einblick in die Arbeit anderer Berater, etwa in den Kreditausschüssen, wo manche Bilanzen durchaus haarsträubend sind. Unsere Kanzlei hat sich dort einen hervorragenden Ruf erarbeitet, sowohl in Bezug auf die Qualität unserer Arbeit als auch auf die Schnelligkeit. Wir gelten als Berater Nummer eins und werden von der Sparkasse entsprechend weiterempfohlen. Dieses Mandat läuft nun schon seit etwa 30 Jahren und ist für mich ein besonderes Kapitel in der Geschichte der Kanzlei.
Haben Sie einen Ratschlag für junge Steuerberater, die gerade ihre Karriere starten? Es ist schwierig, allgemeingültige Ratschläge zu geben, weil jeder Steuerberater unterschiedlich arbeitet und auch unterschiedliche Stärken hat. Manche führen ihre Kanzlei sehr akribisch und streng strukturiert, während ich eher einen praktischen Ansatz bevorzuge. Dennoch gibt es einige grundsätzliche Dinge, die junge Berater beachten sollten.
Erstens sollte ein junger Steuerberater erkennen, was für den Erfolg notwendig ist und diese Dinge auch konsequent umsetzen. Dazu gehören Freundlichkeit und der Aufbau einer guten Beziehung zu den Mandanten, ebenso wie die Fähigkeit, sein Fachwissen überzeugend zu präsentieren. Gleichzeitig ist es wichtig, die Arbeit fristgerecht zu erledigen, stets erreichbar zu sein und Vertrauen bei den Mandanten aufzubauen. Glaubwürdigkeit ist dabei entscheidend.
Es wäre ideal, wenn junge Steuerberater bereits Erfahrungen in mehreren Kanzleien gesammelt haben, bevor sie sich selbstständig machen. Wenn sie das Glück haben, in einer gut geführten Kanzlei zu arbeiten, können sie viel lernen und wertvolle Einblicke gewinnen. Für meinen Sohn Max, der ebenfalls den Steuerberater als Ziel hat und später auch die Prüfung als Wirtschaftsprüfer ablegen möchte, wäre es beispielsweise sinnvoll, für eine gewisse Zeit in einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft zu arbeiten. Der Blick über den eigenen Tellerrand hinaus bietet wertvolle Erfahrungen und neue Perspektiven.
Leider gibt es im Bereich der Steuerberater keine standardisierten Programme, die jungen Beratern verschiedene Praxismodelle näherbringen – anders als bei Fachärzten, die in unterschiedlichen Fachrichtungen ausgebildet werden. Es wäre jedoch sehr hilfreich, wenn junge Steuerberater in zwei oder drei verschiedenen Kanzleien gearbeitet hätten, um herauszufinden, welches Modell am besten zu ihnen passt. Kanzleien werden auf sehr unterschiedliche Weise geführt und es ist wichtig, das richtige Modell für sich zu finden.
Man muss nicht immer alles neu erfinden. Es ist absolut legitim, erfolgreiche Konzepte zu übernehmen und von den Fehlern anderer zu lernen, um selbst bessere Ergebnisse zu erzielen und unnötige Kosten zu vermeiden.
Gibt es eine alte Steuerregelung, die Sie manchmal vermissen, weil sie irgendwie „einfacher“ war? Was früher einfacher war, ist weniger eine Steuerregelung als die Art der Zusammenarbeit mit den Behörden – und das gilt vor allem bis zum Jahrtausendwechsel. Damals hatte man beim Finanzamt feste Ansprechpartner, man kannte sich persönlich und konnte schnell mal jemanden anrufen. Es herrschte ein Vertrauensverhältnis und man konnte vieles über den kurzen Dienstweg regeln.
Heute ist das leider ganz anders. Es ist kaum möglich, jemanden direkt beim Namen zu erreichen und die persönliche Beziehung zu den Mitarbeitern ist verloren gegangen. Die Zusammenarbeit mit dem Finanzamt und auch mit der Stadtverwaltung war früher viel unkomplizierter, weil sie auf gegenseitigem Vertrauen und persönlichem Kontakt basierte. Heute ist der Prozess deutlich mühsamer und unpersönlicher geworden.
Wie sehen Sie die Zukunft der Kanzlei – gibt es neue Ziele, die Sie anstreben? Neue Ziele strebe ich persönlich nicht mehr an – diese liegen jetzt bei Max. Ich sehe jedoch, dass sich das Fachliche stark verändern wird. Künstliche Intelligenz wird viele Routineaufgaben übernehmen, das ist unausweichlich. Aus diesem Grund bilden wir unsere Mitarbeiter gezielt weiter, damit sie in der Lage sind, anspruchsvollere Aufgaben zu übernehmen und qualifizierte Beratungsleistungen zu erbringen.
Die Veränderungen, die in den nächsten zwanzig Jahren auf uns zukommen, sind schwer vorherzusehen, sowohl für Sie als auch für mich. Es wird jedoch sicher einiges anders werden und man muss sich flexibel anpassen. Es wird darauf ankommen, neue Technologien zu integrieren und die passenden Mitarbeiter zu finden, die diese Neuerungen umsetzen können. Möglicherweise wird die Kanzleiarbeit in Zukunft ganz anders aussehen, als wir sie heute kennen.
Ich begrüße diese Veränderungen, denn sie werden dazu führen, dass gewisse repetitive Aufgaben wegfallen und mehr Raum für qualifizierte Tätigkeiten entsteht. Gleichzeitig wird sich die Zahl der Kanzleien verringern, da nicht alle gut genug aufgestellt sind, um die zukünftigen Anforderungen zu erfüllen. Kanzleien, die es nicht schaffen, sich weiterzuentwickeln und qualifizierte Mitarbeiter zu halten, werden es schwer haben.
Für Max ist es entscheidend, dass er eine fundierte Ausbildung hat und ein gutes Verhältnis zu den Mitarbeitern pflegt. Wissen wird der Schlüssel zur Zukunft sein. Nur durch kontinuierliche Weiterbildung und Anpassungsfähigkeit kann die Kanzlei langfristig erfolgreich bleiben.
Was war der merkwürdigste Gegenstand, den ein Mandant als steuerlich absetzbar erklären wollte? Da gab es tatsächlich einen Fall, der herausstach: Ein Mandant von mir, ein Musiker, wollte einen Ferrari als steuerlich absetzbaren Geschäftswagen geltend machen. Das war natürlich schwierig, dem Finanzamt zu erklären, aber letztendlich haben wir es doch geschafft, ihn abzuschreiben. Man muss wissen, dass solche Dinge früher einfacher zu handhaben waren als heute.
Heute begegnen wir bei Finanzbeamten häufig einer gewissen Voreingenommenheit, die sich manchmal wie Neid anfühlt. Wenn allein schon der Begriff „Ferrari“ auftaucht, stößt man schnell auf Widerstand, nach dem Motto: „Warum braucht er das? Ich habe auch keinen Ferrari.“ Früher war das anders; es war normal, dass Unternehmer oder Chefs teurere Autos wie Mercedes fuhren und das wurde einfach akzeptiert – auch von den Betriebsprüfern.
Heutzutage vergleichen sich Finanzbeamte oft mit den Steuerpflichtigen und es gibt eine zunehmende Tendenz zur Missgunst, die auch politisch geschürt wird. Man hört oft den Satz, dass „die Reichen mehr bezahlen sollen.“ Dieser Trend hat auch bei den Finanzbehörden Einzug gehalten, was es schwieriger macht, bestimmte Ausgaben steuerlich abzusetzen.
Solange Leistung und Arbeit nicht angemessen wertgeschätzt werden, wird dieser Neid bestehen bleiben. Das ist eine Entwicklung, die sich so schnell nicht ändern wird.
Gibt es eine Redewendung oder einen Spruch, den Sie immer wieder verwenden, um Mandanten die Steuern zu erklären? Nein, so einen festen Spruch habe ich nicht. Steuerlich verwende ich keine bestimmten Redewendungen. Aber menschlich kann ich meinen Mandanten immer Mut zusprechen und ihnen raten, Chancen zu nutzen. Ich sage ihnen, dass sie jede Gelegenheit ergreifen sollten, sofern sie ein kalkuliertes Risiko eingehen, das sie gut abschätzen können.
Ich ermutige sie stets, voranzugehen, zu wachsen und zu investieren. Es ist wichtig, dass sie sich weiterentwickeln. Das versuche ich meinen Mandanten klarzumachen, aber einen speziellen Spruch für steuerliche Themen habe ich nicht.